VEREINBARKEIT LEBBAR MACHEN MIT JOBSHARING. ZEHN FRAGEN ZU EINEM INNOVATIVEN MODELL.

Die beiden Geschäftsführerinnen von pairforming, Esther Himmen und Katharina Wiench, arbeiten seit 2016 als Tandem zusammen und blicken auf eine beeindruckende Vita zurück: Während Esther als Mutter zweier Kinder neben ihrem Job erfolgreich ein berufsbegleitendes Masterstudium absolvierte und in ihrer Masterarbeit zum Thema TopSharing forschte, beschäftigte sich auch Katharina bereits seit ihrer Tätigkeit als Managerin in einem Konzernumfeld mit Ansätzen zu neuen Führungsstilen und wagte als Organisationsberaterin bereits ein paar Jahre zuvor den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute beraten die beiden als Joint-Leadership-Expertinnen und Tandem-Coaches Organisationen, Führungskräfte und ExpertInnen rund um das Arbeitsmodell TopSharing. Für unsere ShePotential beantworten Esther und Katharina 10 wichtige Fragen rund um dieses innovative Arbeitsmodell, das sich besonders hervorragend auch für Mütter eignet, die Vereinbarkeit leben wollen.

Wenn du mehr über Esther, Katharina und pairforming erfahren möchtest, dann besuche ihre Homepage unter https://pairforming.com/ oder schreibe ihnen eine Nachricht an tandem@pairforming.com. 

1. Was sind JobSharing und TopSharing?   

JobSharing bedeutet, dass sich zwei Personen eine Vollzeit-Stelle teilen. Dabei übersteigt die Summe der jeweiligen Arbeitszeiten häufig die üblichen 40 h pro Woche. Beide arbeiten als Tandem zusammen. Und sie bestimmen untereinander, wann wer arbeitet und welche Aufgaben übernimmt. Idealerweise sind sie auch beide dafür verantwortlich, ihre Ziele gemeinsam zu erreichen.

TopSharing steht für JobSharing für hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte. Diese können auf sämtlichen Management- oder Spezialisten-Positionen in einer Organisation arbeiten. Ob mit oder ohne Verantwortung für Mitarbeitende. Entscheidend ist, dass sie eine Form von Leitungsverantwortung tragen. Demnach ist TopSharing auf jeder Position möglich, vom Projektmanagement bis zur Geschäftsführung. Hierbei können die TandempartnerInnen jeweils in Teilzeit oder in Vollzeit arbeiten. Synonyme für TopSharing sind beispielsweise Doppelspitze, Job-Tandem, Co-Leadership, Arbeitsplatzteilung, oder Job Share. Wir nennen es am liebsten Joint Leadership.

2. Für wen ist TopSharing geeignet?

Das Modell ist in Teilzeit und in Vollzeit möglich. Deshalb kann es für Menschen passend sein, die

  • in Vollzeit auf einer Management- oder Expertenrolle arbeiten, aber die Überstunden besser im Griff haben wollen,
  • für (ehemalige) Einzelkämpfer, die sich mehr Sparring und Perspektivenaustausch auf Augenhöhe für ihre eigene Aufgabe wünschen oder
  • für Menschen, die gerne in Teilzeit arbeiten, deswegen aber nicht auf eine Position verzichten wollen, die ihrer Qualifikation und Berufserfahrung entspricht (Teilzeitfalle & Karriereknick). 

Grundsätzlich ist diese Form des Arbeitens also auch für ExpertInnen und ManagerInnen geeignet, die mehr Zeit und Energie außerhalb der Arbeit haben wollen. Und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen:

  • Gesundheit und Burnout Prävention, 
  • Zeit für andere Themen wie zum Beispiel für Familie, Ehrenamt, Politik 
  • oder mehr Zeit für sich selbst! Zum Beispiel zum Reisen, für Hobbies, Weiterbildung oder ein weiteres berufliches Standbein.

Darüber hinaus kann Dir dieses Arbeitsmodell ermöglichen, Deine Arbeit besser an verschiedene Lebensphasen anzupassen:

Zukünftige RentnerInnen, die in Altersteilzeit arbeiten wollen, können durch dieses Modell in den letzten Jahren vor der Rente weniger arbeiten und trotzdem ihrer verantwortungsvollen Aufgabe nachgehen. Außerdem können sie sicherstellen, dass ihr Wissen gut an die nachfolgende Generation übergeben wird.

Eltern, denen Familie und Beruf gleichermaßen wichtig ist, können Arbeitszeit reduzieren und gleichzeitig weiter Karriere machen. 

Lernwillige und Wissens-Hungrige, die zum Beispiel für eine Position mit sehr hohen, komplexen oder diversen Anforderungen (noch) nicht ausreichend qualifiziert sind. Eine smarte Ergänzung der eigenen Kompetenzen durch die eines Tandem-Partners, bietet beides: Die geforderten Anforderungen werden sofort erfüllt. Und man kann on-the-job strategisch voneinander lernen und sich selbst weiterentwickeln. Wir sind überzeugt: JobSharing und TopSharing ist grundsätzlich für jede Aufgabe möglich. Es ist jedoch nicht für jede Persönlichkeit geeignet! Als Grundvoraussetzung für das Arbeiten im Tandem gilt: Nur wer gut und gerne im Team arbeiten kann und will und nur wer bereit ist, sich selbst und das eigene Handeln regelmäßig im Tandem zu reflektieren, sollte dieses Arbeitsmodell für sich selbst in Betracht ziehen! 

3. Ist JobSharing für Frauen UND für Männer interessant?

Ein klares JA! Verschiedene Studien zeigen, dass sowohl Frauen als auch Männer im TopSharing, d.h. im JobSharing für Führungskräfte und ExpertInnen, arbeiten. Dies wird unter anderem in der Studie des Wissenschaftszentrums Berlins (2019) deutlich. Das Thema ist zwar noch nicht ausreichend erforscht, aber es gibt doch einige Hinweise darauf, dass beide Geschlechter ein ungefähr gleich starkes Interesse an TopSharing haben. Auch in unserer eigenen Interesse-Studie aus 2017 haben wir Belege dafür gefunden. In der Praxis wählen dennoch bisher – zumindest wie wir es wahrnehmen – mehr Frauen dieses Modell. Dies hat sicherlich unterschiedliche Gründe. So arbeiten beispielsweise immer noch mehr Frauen als Männer in Teilzeit. Auffällig ist, dass laut unserer Interesse-Studie (2017) 73 Prozent der befragten männlichen Führungskräfte vor der Umfrage noch nie etwas von TopSharing gehört haben. Im Vergleich dazu betraf dies 55 Prozent der Frauen. Wir kennen aus unserer aktuellen Interview-Studie mittlerweile auch viele reine Männer-Tandems und gemischte Tandems, d.h. zwischen Männern und Frauen. 

4. Welche Vorteile bietet Jobsharing auf Führungsebene?

Durch TopSharing kannst du eine gesündere Balance zwischen Arbeitszeit und Freizeit erreichen. Du kannst vor allem auch Synergien aus unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen in der gemeinsamen Rolle nutzen, die ihr gemeinsam als Tandem in eure Arbeit einbringt. Darüber hinaus entwickelst du dich durch das Lernen voneinander und das gegenseitige Sparring im Tandem auf dem Job weiter. Und TopSharing ist dazu noch ein Kreativitäts- und Qualitätsbooster. Warum? Nun, zwei Köpfe haben mehr Ideen. Und wichtige Entscheidungen werden durch den Perspektivenaustausch bereits gechallenged und dadurch letztlich besser. Ein absolutes Plus für die Unternehmen, was uns in unserer aktuellen Joint Leadership Studie (unter Tandems und deren Stakeholdern) immer wieder auch die Vorgesetzten von Tandems bestätigten. Damit bietet TopSharing Vorteile. Für die Tandems, die Unternehmen, die internen und externen Kunden genauso wie für ihre Mitarbeitenden. 

5. Was ist der Unterschied zwischen JobSharing oder TopSharing und einer Stellvertreter-Regelung?

Der Unterschied liegt vor allem darin, dass bei einer Stellvertreterregelung keine vollständige Augenhöhe da ist. Auch wenn es hier gut funktionierende Beispiele gibt, in denen die Zusammenarbeit wertschätzend und gut abgestimmt erfolgt. Es macht dennoch einen Unterschied, ob man eine Position oder Rolle zusammen verantwortet oder eben nicht. 

Meist sind StelleninhaberIn und StellvertreterIn hierarchisch nicht auf derselben Ebene und haben häufig daher nicht dieselben Entscheidungsbefugnisse. Das kann dazu führen, dass im Vertretungsfall wichtige Entscheidungen liegenbleiben müssen, weil die oder der Stellvertretende nicht alles entscheiden darf.  Oft ist es auch so, dass zwischen den beiden ein Unterstellungs-Verhältnis besteht. Das erschwert das Maß an Offenheit und Vertrauen, das zwischen Tandems möglich ist. Und gerade der Austausch zwischen den Tandem-Partnern auf einer gemeinsamen Rolle wird als besonders wertvoll und entlastend erlebt. Die eigenen Masken mal komplett fallen lassen, Schwächen offen zugeben und auch mal dem eigenen Frust und Ärger freien Raum lassen zu können: Dies alles fällt leichter, wenn man darauf vertrauen kann, dass nicht die oder der Stellvertretende diese Informationen vielleicht dazu nutzt, einen Vorteil daraus zu schlagen.  

Und, last but not least, ein großer Vorteil des TopShares im Vergleich zur klassischen Stellvertretung ist es, dass man keine klassische umfangreiche Übergabe vor und nach einem Vertretungsfall machen muss. Weil die Tandempartner sich ohnehin immer so organisieren sollten, dass beide jederzeit bei ihren gemeinsamen Themen sprechfähig sind.

6. Welche Voraussetzungen sind mit dem Arbeiten im Tandem verbunden? 

In der Tandem-Arbeit selbst liegt eine der größten Herausforderungen darin, eine für das Tandem passende Abstimmungstiefe zu finden. Dies setzt wiederum die persönliche Bereitschaft voraus, das eigene Wissen zu teilen, sich gegebenenfalls nicht nur bei wichtigen Entscheidungen abzustimmen, gemeinsam zu reflektieren und hierfür auch Zeit einzuplanen. Dabei liegt der reine Abstimmungsaufwand bei eingespielten Tandems in vielen Fällen bei maximal 1-2 Stunden pro Woche. Des Weiteren zählt zu den Voraussetzungen, dass die beiden Tandem-Partner zueinander passen. Dabei ist es wichtig, sich in den Kompetenzen zu einem gewissen Teil zu überschneiden und sich gleichzeitig auch zu unterscheiden. Denn so können sie sich gegenseitig ergänzen und gleichzeitig Synergie-Effekte schaffen.  Nur wenn die Chemie zwischen den Tandem-Partnern stimmt, werden sie Vertrauen zueinander aufbauen können. Und das ist wiederum wesentlich für den Erfolg dieses Arbeitsmodells. Eng damit verbunden ist auch, dass die beiden ähnliche Kernwerte teilen bzw. sich mit den Werten des anderen committen können. Und dass sie ein ähnliches Führungsverständnis haben. Das wird ihnen auch dann helfen, wenn es im Miteinander mal schwierig wird.

Auf der Seite des Arbeitgebenden ist es wichtig, dass die Führungsriege hinter dem Modell steht. Ohne das Commitment des Managements hat es ein Tandem sehr schwer. Und es wird sein Potential in der Regel nicht voll ausschöpfen können. Dabei sollte ein Führungs-Duo auch durch organisationale Maßnahmen praktisch unterstützt werden. Hierzu zählen unter anderem Coaching und Supervision, vor allem in der Anfangsphase. Ebenso wie ausreichende Überlappungszeiten: Diese können für die Abstimmung und vor allem auch für gemeinsame strategische oder konzeptionelle Aufgaben genutzt werden, um Synergieeffekte auszu-schöpfen. Auch praktische Ressourcen wie IT-Tools, Ausstattung, Berechtigungen und idealerweise auch die Möglichkeit, gemeinsam in einem Raum zu arbeiten, gehören dazu

7. Welche Tandem-Modelle und JobSharing oder TopSharing-Beispiele gibt es in der Praxis?

Viele! Die Modelle kann man zum Beispiel kann man nach der prozentualen zeitlichen Aufteilung unterscheiden. So gibt es in der Praxis alles zwischen 50:50 ,60:60, 70:80, 90:100. Sogar Tandems mit zweimal 100 Prozent, in denen beide also jeweils Vollzeit arbeiten und sich dennoch nur eine Position oder Rolle teilen. Oder wir betrachten die inhaltliche Aufgabenaufteilung. Die Aufgaben können strikt untereinander aufgeteilt werden. Das sogenannte Job-Splitting. Oder jede beziehungsweise jeder macht alles. Dann spricht man von Job-Pairing. Dazwischen gibt es sehr viele Varianten. Darüber hinaus können Modelle aber auch nach der Zeitdauer ihres Bestehens unterschieden werden. In vielen Fällen ist TopSharing auf Dauer angelegt. In der Praxis sind aber auch Übergangslösungen zu finden. Letzteres kann beispielsweise für Generationenmodelle Sinn machen. In dem Fall kann ein/e jüngere/r NachfolgerIn mittelfristig die Stelle einer ausscheidenden älteren Person übernehmen. 

Und Tandems lassen sich danach unterscheiden, ob es sich um echte Arbeitsteilung handelt oder vielmehr um eine Art Supervisions- oder Reflexionspartnerschaft. Diese Modelle scheinen umso stärker verbreitet zu sein, je höher in der Hierarchie das Tandem arbeitet. 

So berichtet unter anderem Daimler im März 2019 aus der eigenen Organisation von bereits mehr als 125 Führungstandems. Und auch wir haben allein innerhalb unserer aktuellen Interview-Studie 2019/2020 rund 30 Doppelspitzen persönlich kennengelernt. Fakt ist: Tandems gibt es so gut wie in jeder Branche, in jedem Funktionsbereich, auf jeder Hierarchie-Stufe und in allen Unternehmensgrößen. 

8. Wie kannst du das Thema JobSharing bzw. TopSharing für dich persönlich angehen?  

In unserer Arbeit erleben wir immer wieder, dass das persönliche Interesse an TopSharing groß ist. Viele, die gerne in diesem Modell arbeiten würden, sind sich jedoch unsicher, wie sie das Thema angehen können. Du brauchst jedoch das Rad an dieser Stelle nicht neu erfinden. Für den Weg von der TopSharing Idee bis zum Arbeiten im Tandem haben wir deshalb eine umfassende 10-Schritte-Anleitung erstellt. Der Weg von der Idee bis zur Umsetzung des TopSharing umfasst die folgenden zehn Schritte:

    1. Grundvoraussetzung: Teamfähigkeit & Reflexionsbereitschaft
    2. Introspektive
    3. Rahmenbedingungen
    4. Tandem-PartnerIn suchen
    5. Entscheidung für eine/n Tandem-PartnerIn
    6. Spielregeln für die Tandem-Arbeit vereinbaren
    7. Test-Projekt
    8. Tandem-Konzept entwickeln
    9. Tandem-Bewerbung
    10. Probezeit
    11. Reflexion der Pilotphase

9. Wie kann JobSharing & TopSharing in einer Organisation gut eingeführt werden?

Wenn wir ein Unternehmen bei der Einführung von JobSharing und TopSharing begleiten, dann schauen wir IMMER zunächst auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der jeweiligen Organisation. Oft erfolgt die Begleitung in drei Phasen: Zunächst die Ideen-/Impuls-Phase: Hier geht es ums Inspirieren. In der Pilot-Phase, wird das Modell bei zunächst wenigen Tandems in der Organisation erprobt. Nach dem Bewerten der Pilotphase werden JobSharing und TopSharing in der Realisierungs-Phase als Arbeits-, Führungs- und gleichwertiges Karrieremodell in einer Organisation ausgerollt.

Um Menschen von der Tandem-Idee zu inspirieren, bieten sich beispielsweise moderierte Netzwerkveranstaltungen mit Podiumsdiskussionen und/oder Impulsvorträgen an. Aber auch Workshops für Interessierte helfen dabei, konkrete Ideen für die eigene Organisation zu entwickeln und Menschen über diese neue Form des Führens miteinander ins Gespräch zu bringen. Grundsätzlich ist es dabei vor der eigentlichen Einführung wichtig, dafür zu sorgen, dass das Management hinter der Idee der Tandem-Führung steht. Das Commitment der Führungsriege ist daher ein wichtiger Erfolgsfaktor dieses Modells. So bieten wir etwa auch Workshops für Führungskräfte von potentiellen Tandems an und moderieren Offsite-Meetings für das Management. Ist das Interesse bei einigen in der Organisation geweckt und das Commitment der Führungsriege vorhanden? Dann können Kick-Off-Veranstaltungen und, oder Recruiting-Workshops einen guten Startschuss für die Pilot-Phase bedeuten.

Wichtig ist es auf jeden Fall, mit ein paar wenigen Tandems in eine Pilot-Phase zu starten. Dabei sollten die Tandems selbst sowie ihre Vorgesetzten durch Coaching und, oder Supervision innerhalb der ersten vier bis zwölf Monate unterstützt werden. Wie lange ein Tandem insgesamt begleitet werden sollte, ist in erster Linie von dem Duo selbst und von der konkreten Aufgabenstellung abhängig. Grundsätzlich hilft die externe Perspektive dem Tandem dabei, schneller zu einem effizient arbeitenden Team zu werden. Und auch das Risiko, dass das Duo mitten im Projekt auseinanderbricht, kann dadurch reduziert werden.Hilfreich für Tandems ist es auch, sich mit anderen Tandems wie beispielsweise in unseren (Online-) Gruppen-Trainings austauschen zu können. Am Ende der Pilotphase ist es wichtig, gemeinsam diese zu bewerten, um dann zu besprechen, was die nächsten Schritte sein könnten

10. Wie ist JobSharing für Führungskräfte & ExpertInnen, d.h. TopSharing, rechtlich geregelt?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach, weil es leider keine einzelne gesetzliche Regelung gibt, die ALLE Varianten von TopSharing, so etwa Joint Leadership – einschließlich der Vollzeitvariante, umfasst. Im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) ist allerdings geregelt, wann man als ArbeitnehmerIn Anspruch auf Teilzeit (ab § 6) hat. Und auch dass es möglich ist, sich einen Arbeitsplatz zu teilen (§ 13). Auf den Seiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gibt es eine eigene Rubrik zum Thema Teilzeit. Dort findest Du Beispiele für Teilzeitmodelle und auch aktuelle gesetzliche Neuerungen.
Einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit hat, wer seit mindestens 6 Monaten in einem Unternehmen arbeitet, das in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. Soweit betriebliche Gründe dem Wunsch der ArbeitnehmerInnen nach Teilzeitarbeit nicht entgegenstehen, muss der Arbeitgeber der Verringerung der Arbeitszeit zustimmen (§ 8 Abs. 1, Abs., Abs. 2, Abs. 4, Abs. 7 TzBfG).

Der Antrag auf Teilzeit muss mindestens drei Monate im Voraus gestellt werden. Und der Arbeitgeber kann den Antrag bis zu 4 Wochen vor dem Start der Teilzeit ablehnen. Der Antrag muss in Textform erfolgen, das heißt: Auch eine e-Mail würde ausreichen. Du musst deinen Antrag nicht begründen. Doch solltest du hier schon angeben, wie die gewünschte Arbeitszeit verteilt sein soll (§ 8 Abs. 2 TzBfG). Wie bereits beschrieben, ist es laut § 13 TzBfG möglich, dass ein Arbeitsplatz auf zwei oder mehr ArbeitnehmerInnen aufgeteilt werden kann. Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass die Tandems oder JobSharing-Teams untereinander frei vereinbaren können, wie sie die Arbeitszeit untereinander genau aufteilen wollen. Eine Freiheit, die man in einer Einzelbesetzung normalerweise nicht hat.
Wenn ein Tandem-Partner kurzfristig ausfällt, kann der andere nicht dazu verpflichtet werden, die Vertretung zu übernehmen, wenn damit eine Verlängerung der Arbeitszeit verbunden ist, zum Beispiel von Teilzeit auf Vollzeit. Darüber muss dann eine eigene Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn getroffen werden. 

Eine Vertretungspflicht kann zum Beispiel sinnvoll sein und vereinbart werden, wenn es dringende betriebliche Erfordernisse gibt. Dies wäre beispielsweise, wenn die Gefahr besteht, dass die Produktion unterbrochen werden muss. Darüber hinaus gelten für JobSharer – ganz gleich, ob sie in Teilzeit oder in Vollzeit arbeiten – die gleichen Rechte und Pflichten wie für Arbeitnehmer, die alleine auf einer Stelle arbeiten. Beide erhalten jeweils voneinander unabhängige Arbeitsverträge, beide haben einen Anspruch auf Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Weiterbildung. Auch lohnt es sich auf den Kündigungsschutz zu schauen. Wenn ein/e TandempartnerIn das Unternehmen verlässt, kann der Arbeitgeber der/dem anderen nicht automatisch kündigen, d.h. es besteht das „Verbot der partnerbedingten Kündigung“.

Der Arbeitgeber wird zunächst versuchen müssen, einen neuen Tandempartner zu finden. Wenn dies nicht gelingt, kann er eine Änderungskündigung aussprechen. Das bedeutet, dass dem verbliebenen Tandempartner eine Arbeitszeiterhöhung auf der ehemaligen Tandem-Stelle oder eine andere Teilzeitstelle angeboten werden kann.  
Es ist eine gute Idee ist, mit dem zukünftigen Tandem-Partner ein sehr detailliertes gemeinsames Konzept auszuarbeiten. Und zwar vorbereitend zum Antrag auf Teilzeit. Darin solltet Ihr festlegen, was Ihr in der neuen zukünftigen Rolle zusammen bewirken wollt, d.h. eine inhaltliche Konzeption. Aber genau so viel Energie solltet Ihr in die Überlegungen reinstecken, wie Ihr konkret arbeiten wollt, das bedeutet in die arbeitsorganisatorische Konzeption. Also wie viele Stunden jeder von Euch? Wie wollt Ihr Euch gegenseitig vertreten? Wie sieht es mit der Urlaubsplanung aus? Je besser Ihr hier vorbereitet seid, umso einfacher wird es sein, mit Eurem Arbeitgeber darüber zu sprechen, ob Euer TopSharing Modell in Eurer Organisation klappen könnte. 

2020-07-24T20:41:14+01:00